Wer kennt es nicht: Eine wichtige Prüfung steht vor der Tür und statt zu lernen, bringst du plötzlich deine Wohnung auf Hochglanz. Ein klassischer Fall von Prokrastination, auch liebevoll „Aufschieberitis“ genannt. Was dahinterstecken kann, hat Dr. Frank Matthias Rudolph, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, in seinem Vortrag – organisiert vom Studierendenwerk Koblenz – im Landesbibliothekszentrum Koblenz erklärt:
Was ist Aufschieberitis?
Aufschieberitis beschreibt ein absichtliches, aber eigentliches unnötiges Aufschieben von wichtigen Aufgaben. Die Prioritäten liegen in solchen Situationen überall, nur nicht bei der eigentlichen Sache.
Ursachen der Aufschieberitis
Die offensichtlichste Ursache der Prokrastination ist vermutlich ein Mangel an Selbstkontrolle. Statt sich der schwierigen, aber wichtigen Aufgabe zu widmen, werden die Dinge erledigt (Putzen!), die ein schnelles Erfolgserlebnis versprechen. Was oft erschwerend hinzukommt: Fehlt eine klare Deadline oder liegt diese noch in weiter Ferne, steigt die Versuchung, die Aufgabe immer weiter vor sich herzuschieben. Gräbt man auf der Suche nach den Ursachen etwas tiefer, trifft man häufig auf eine Aversion gegenüber der Aufgabe – weil sie beispielsweise als langweilig und wenig sinnhaft empfunden wird oder schlicht nicht zu den eigenen Interessen und der Persönlichkeit passt. Geht man der Sache noch weiter auf den Grund, wird man oftmals auf ein fehlendes Gefühl von Selbstwirksamkeit stoßen. Es fehlt schlichtweg die Überzeugung, dass die Aufgabe erfolgreich bewältigt werden kann – sei es aufgrund vorausgegangener Misserfolge oder wegen starker Selbstzweifel.
Was kann ich gegen Aufschieberitis tun?
- Prioritäten setzen und entscheiden was wirklich wichtig und dringend ist (beispielsweise mit der Eisenhower-Methode oder der ABC-Technik)
- Mit dem Unangenehmsten anfangen
- Große Aufgaben in kleinere Teilaufgaben zerlegen
- Sich genügend Zeit lassen (früh genug anfangen!)
- Auf die eigenen Gedanken achten und diese ins Positive lenken
- Limits setzen (eigene Deadlines, feste Zeitfenster für bestimmte Teilaufgaben)
- Sich selbst loben
- Nur auf eine Sache konzentrieren, kein Multitasking
- Regelmäßig Pausen machen
- Im Team arbeiten (z. B. Lerngruppen)
Wer hilft weiter, wenn Aufschieberitis zum Problem wird?
Wenn die Aufschieberitis mehr als nur ein lästiger Begleiter in Prüfungsphasen ist und ihr das Gefühl habt, dadurch in echte Schwierigkeiten in eurem Studium oder eurem Privatleben zu kommen, stehen euch unserer Berater:innen zur Seite – persönlich in (Online-) Sprechstunden oder über unsere schriftliche (auf Wunsch auch anonyme) Onlineberatung.
Wenn ihr den Vortrag von Dr. Rudolph verpasst habt, findet ihr hier in seinem Handout noch jede Menge weitere Tipps und Infos rund um Aufschieberitis – auch in Verbindung mit ADHS: